50 Jahre
BAföG

Ein Meilenstein der Bildung feiert Jubiläum: Vor 50 Jahren wurde das BAföG eingeführt. Das sind 50 Jahre Chancengerechtigkeit und 50 Jahre individueller Erfolgsgeschichten!

Ein Türöffner
für viele
Bildungswege

Anja Karliczek

Mitglied des Deutschen Bundestages
Bundesministerin für Bildung und Forschung

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek über das BAföG als Garant der Chancengerechtigkeit.

„Die Einführung des BAföG vor 50 Jahren ist ein wesentlicher Schritt hin zu mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung. Dort, wo Eltern ihre Kinder aus finanziellen Gründen nicht unterstützen können, springt der Staat ein. Mit dem BAföG haben wir einen Rechtsanspruch auf Unterstützung geschaffen, um individuelle Bildungswege zu verwirklichen. Für viele Menschen hat das BAföG die Türen geöffnet zu ihrem Bildungs- und Berufsweg. Nicht nur für das persönliche Lebensglück ist es wichtig, die eigenen Talente zu entfalten. Dies liegt auch im gesamtstaatlichen Interesse des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts Deutschland. Als Innovationsland Deutschland können wir nur Erfolg haben, wenn möglichst viele ihre Fähigkeiten und Ideen einbringen. Wenn wir das BAföG nicht hätten, müssten wir es erfinden.“

Fünf Jahrzehnte
Bildungs-
perspektiven

Seit 1971 haben Millionen junger Menschen ihre Talente genutzt, Chancen ergriffen und berufliche Träume erfüllt – unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern. Hier erzählen Geförderte aus fünf Jahrzehnten ihre persönliche Erfolgsgeschichte.

70er-Jahre

Ich wünsche mir, dass das BAföG weiter bestehen bleibt. Die Talente sind gleich verteilt, aber die Wohlstandsverteilung ist es nicht. Da ist BAföG eine gute Korrekturmöglichkeit.

Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang M. Heckl (62), Generaldirektor Deutsches Museum und Oskar von Miller Lehrstuhl für Wissenschaftskommunikation, TU München, Studium der Physik in München,
BAföG-gefördert von 1976 bis 1977 und von 1980 bis 1984

Mit acht Jahren erfand Wolfgang Heckl sein erstes Perpetuum mobile. Warum es nicht funktionieren konnte, lernte er erst im Physikstudium. Mit zehn Jahren stand für ihn fest, dass er Forscher werden wollte, um dem „Bauplan des Herrgotts auf die Spur zu kommen“, wie er selbst sagt.

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Mich hat das BAföG beruflich auf den Weg gebracht und mich immer wieder in meiner persönlichen Entwicklung unterstützt.

Prof. Dr. Susanne Klaus (61), Abteilungsleiterin am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) und Professorin an der Universität Potsdam, Studium der Biologie und Zoologie in Marburg und Davidson/North Carolina,
BAföG-gefördert von 1975 bis 1985

150 Mark – das war der Schüler-BAföG-Betrag, den Susanne Klaus 1975 als Sechzehnjährige pro Monat bekam. 50 Mark behielten die Eltern ein, über die restlichen 100 Mark konnte sie frei verfügen.

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Die Förderung hat mir geholfen, mich in einer Männerdomäne durchzusetzen.

Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Barbara Leyendecker (71), Maschinenbauingenieurin im Ruhestand, Maschinenbau-Studium in Aachen,
BAföG-gefördert von 1971 bis 1976

„Als ich 1969 mein Studium begann, war ich die einzige Frau unter 500 Männern“, erinnert sich Barbara Leyendecker. Die junge Frau aus dem Westerwald mit einem Talent für Mathematik und Naturwissenschaften hatte sich an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen für Maschinenbau eingeschrieben.

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80er-Jahre

BAföG war damals in aller Munde.

Christiane Schick (57), Diplom-Ingenieurin Architektur (AKBW) und Gewerbeschulrätin für Hoch- und Ausbautechnik,
Studium der Architektur in Hamburg,
BAföG-gefördert von 1986 bis 1988

„BAföG war für mich auch Emanzipation. Es bedeutete, unabhängig zu sein von meinen Eltern und meinem Ex-Mann“, erzählt Christiane Schick. Ohne die Förderung hätte sie ihr Studium womöglich nicht abschließen können.

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Ich bin sehr dankbar für das BAföG. Es gibt jungen Menschen eine faire Chance, ihren Weg zu gehen.

Henryk Maron (58), Selbständiger HR-Berater & Interim Manager,
Studium der Betriebswirtschaftlehre in Bayreuth und Lincoln/Nebraska,
BAföG-gefördert von 1984 bis 1990

Henryk Maron kam 1981 über Umwege aus Polen nach Deutschland. Er war 18 Jahre alt, bei Verwandten untergekommen. „Ich dachte, ein Studium könnte ich mir nicht leisten.“

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Ich wollte studieren und meine Mutter sagte: „Dann machst du das halt, mit BAföG bekommen wir das hin“.

Albert Urig (58), Inhaber eines Architekturbüros,
Studium der Architektur in Kaiserslautern,
BAföG-gefördert von 1983 bis 1988

Die Einführung des BAföG war für seine Familie „ein politischer Donnerschlag“, erinnert sich Albert Urig. Auf einmal war es möglich, dass er als Sohn eines Bergbau-Maschinisten und einer Krankenschwester eine Universität besuchte und der erste Akademiker in der Familie wurde.

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90er-Jahre

Als studierende Eltern hatten wir sehr viel Unterstützung – auch durch das BAföG.

Anja Oesterle-Kieweg (56), Architektin,
Studium der Architektur in Konstanz,
BAföG-gefördert von 1992 bis 1997

Ihr Berufsweg fing mit Einschränkungen an: Anja Oesterle-Kiewegs Eltern waren der Meinung, „für ein Mädchen“ genüge die Realschule. Als sie dann bei einem Autobauer als Mechanikerin in die Lehre ging, empfahl der allen weiblichen Azubis Zusatzunterricht zur Fachhochschulreife und eine Zusatzausbildung im kaufmännischen Bereich.

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Das BAföG war für mich ein Riesenglück. Es hat die Grundlage für mein berufliches Leben gelegt.

Birgit Schöppe-Zittwitz (58), Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Berlin,
Studium der Psychologie in Dresden und Ohio/USA,
BAföG-gefördert von 1992 bis 1998

Studieren – diesen Traum verwirklichte sich Birgit Schöppe-Zittwitz, als sie fast dreißig Jahre alt war. Der Grund für den eher späten Start: In der DDR wurde ihr zweimal der Zugang zum gewünschten Ausbildungsweg verwehrt.

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Ohne BAföG würde ich heute nicht meinen Traumberuf ausüben.

Prof. Dr. Olaf Eisen (48), Professor für Glaziologie,
Studium der Geophysik und Glaziologie in Karlsruhe und Fairbanks/Alaska,
BAföG-gefördert von 1993 bis 1997

Mit den Skiern von der Blockhütte zur Uni fahren – das ist eine Erinnerung, die Olaf Eisen nie vergessen wird. 1996/97 war das, in Fairbanks, Alaska, wo er Glaziologie (Gletscherkunde) studierte. „Schon als Kind hatte ich eine große Affinität zu Eis und Schnee.“ Kein Wunder, aufgewachsen am Bodensee, waren die Alpen für ihn immer in Sichtweite.

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00er-Jahre

BAföG ermöglichte mir den Sprung vom Land in die weite Welt.

Sven Müller (32), Product Manager und Sportwissenschaftler,
Studium der Sportwissenschaft in Konstanz/Prag und Köln/Loughborough,
BAföG-gefördert von 2008 bis 2011

„BAföG ermöglichte mir den Sprung vom Land in die weite Welt“, sagt Sven Müller. Aufgewachsen in einem 150-Seelen-Dorf auf der Schwäbischen Alb war Bildung für ihn früh eine Angelegenheit, für die man Mühen auf sich nehmen musste, etwa jeden Tag lange im Bus zu sitzen.

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Ohne BAföG wäre ich nicht da, wo ich bin. Es ist unglaublich gut, dass es das in unserem Bildungswesen gibt.

Christin Gerber (32), Ärztin in Weiterbildung zur Fachärztin für Arbeitsmedizin (vor. 2021), Studium der Medizin in Bochum,
BAföG-gefördert von 2007 bis 2014, BAföG als Bankdarlehen 2015

Ihr Wunsch, Medizin zu studieren, war so stark, dass sich Christin Gerber nicht von den Rückzahlungen des BAföG abschrecken ließ: „10.000 Euro - das war natürlich vom Schülerstandpunkt aus gesehen wahnsinnig viel, aber ich dachte, ich kann da eigentlich nur gewinnen.“

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Dass ich BAföG erhielt, hat mir den Neustart erleichtert.

Dr. Julia Tschirka (31), Funding Consultant,
Studium der Biochemie in Hannover,
BAföG-gefördert von 2009 bis 2014

„Dass ich BAföG erhielt, hat mir den Neustart erleichtert“, sagt Julia Tschirka. Mit 15 Jahren kam sie als Spätaussiedlerin mit ihrer Familie aus der Ukraine nach Deutschland und absolvierte erfolgreich das Gymnasium. Mathematik und Chemie waren schon immer ihre Lieblingsfächer.

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10er-Jahre

Die BAföG-Leistung hat einen unausgebildeten Sicherheitsmitarbeiter zu einem Akademiker gemacht.

Bayram Aksu (36), Dolmetscher, Übersetzer und Student des Sozialrechts in Kassel, Studium der Sozialen Arbeit in Frankfurt a.M.,
BAföG-gefördert von 2013 bis heute

„Ich bin ein zielstrebiger Mensch“, sagt Bayram Aksu. Seine Zielstrebigkeit hat er schon oft unter Beweis gestellt. Mit sechs Jahren migrierten er und seine Familie aus der Türkei nach Frankfurt am Main.

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In meiner BAföG-Zeit habe ich Kontakte geknüpft, die mir geholfen haben, in die Forschung zu gehen.

Kevin Noack (29), Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dresden im Bereich Mathematik/Maschinenwesen,
Studium der Wirtschaftsmathematik in Cottbus und Dresden,
BAföG-gefördert von 2011 bis 2016

Als kleiner Junge rechnete er beim Einkauf das herausgegebene Wechselgeld nach. Heute freut sich Kevin Noack darüber, den technischen Fortschritt mitgestalten zu können. Sein Forschungsfeld ist die Geometrie: „Ich hatte schon immer eine Begabung für Mathematik. Zahlenkombinationen und ähnliches - das hat mir Spaß gemacht.“

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Ich finde den Prozess der Antrag- stellung fair. Man bekommt schließlich auch was dafür.

M. Sc. Natalie Lendzinski (29), Projektentwicklerin, Studium der Architektur in Stuttgart und Auslandspraktikum in Shanghai/China,
BAföG-gefördert von 2011 bis 2018

Als Kind zeichnete Natalie Lendzinski am liebsten Häuser für ihre Großeltern: „Ich wollte schon immer Architektin werden“, sagt sie. Aufgewachsen in einer Winzerfamilie in Süddeutschland und mit vier Geschwistern war BAföG ihr Zugang zum Studium.

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Aktuelles

Bundesweite Glückwünsche

Wer freut sich nicht über Geburtstagsgrüße? Im April waren bundesweit auf Bahnsteigen und in Bahnhöfen Videos mit Glückwünschen zu 50 Jahren BAföG zu sehen. Die Botschaften zu 50 Jahren Chancengerechtigkeit und Bildungsperspektiven, hier in Berlin, Frankfurt (Oder) und Stuttgart, sollen junge Menschen motivieren: Mach deiner Zukunft einen Antrag!

„Jetzt ein BAföG-Relaunch!“

„Die BAföG-Erhöhungen der vergangenen Jahre haben die finanzielle Situation der Geförderten verbessert“, sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. „Aber das BAföG geht zunehmend an der unteren Mittelschicht vorbei. Um deren Chancen zu verbessern, bedarf es nach fünf Jahrzehnten eines durchgreifenden BAföG-Relaunchs.“

Die Briefkasten-Connection

Legendär im Studentenwerk Würzburg ist die Geschichte der Geldscheine, die regelmäßig im Briefkasten lagen – versehen nur mit dem Vermerk „Rückzahlung BAföG“. „Der Aufwand, diese anonymen Zahlungen zu verbuchen, war enorm“, erinnert sich Matthias Nowak, Leiter des Amtes für Ausbildungsförderung beim Studentenwerk Würzburg und seit über 25 Jahren dort tätig.

50 Jahre BAföG – Der Jubiläumstalk

Am 25. März 2021 sprach Bundesministerin Anja Karliczek im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung mit Geförderten aus fünf Jahrzehnten und jungen Menschen, die derzeit vom BAföG profitieren. Das Thema: 50 Jahre Chancengerechtigkeit und individuelle Bildungserfolge. Hier gelangen Sie zum Mitschnitt der Veranstaltung.

„ArbeiterKind.de gratuliert“

Katja Urbatsch, Gründerin der Initiative ArbeiterKind.de, gratuliert zum Jubiläum: „Durch die Einführung des BAföG vor 50 Jahren fühlte sich eine ganze Generation aufgerufen und eingeladen, an die Hochschulen zu gehen. Ob ein Bildungsaufstieg gelingt, bleibt verbunden mit einer verlässlichen, einfachen und realistischen Studienfinanzierung."

„Geblieben ist die Freude“

Seit über 30 Jahren arbeitet Knut Schäfer, Gruppenleiter Ausbildungsförderung, beim Studentenwerk. „Früher gab es keine Online-Anträge oder Computer. Jeder Antrag musste persönlich oder per Post abgegeben werden. Vieles hat sich verändert, geblieben ist die Freude, junge Menschen auf dem Weg in ihre berufliche Zukunft zu unterstützen. Eine schöne Aufgabe!“

Bildung
als Chance
für alle

 

Vor 50 Jahren wurde mit dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) der Grundstein für einen rechtlichen Anspruch auf individuelle Ausbildungsförderung durch den Staat gelegt. Durch die Einführung des BAföG 1971 war es nun allen jungen Menschen möglich, einen ihrer Neigung, Eignung und Leistung entsprechenden Bildungsweg bis hin zum Hochschulstudium einzuschlagen, auch wenn die Eltern sich das nicht leisten können. Neben dem persönlichen Gewinn für den Einzelnen zielte das neue Gesetz auch darauf ab, die Zahl der qualifizierten Fachkräfte im Land zu erhöhen.

Das BAföG im Wandel der Zeit

Während seines 50-jährigen Bestehens wurde das BAföG immer wieder angepasst und erweitert: Insbesondere in den 1970er-Jahren wuchs der Kreis der Förderungsberechtigten, unter anderem waren nun freizügigkeitsberechtigte Bürgerinnen und Bürger der EU auch anspruchsberechtigt. Der Förderbereich wurde auf Auslandsausbildungen ausgedehnt. In den1980er-Jahren wurde eine verlässliche Anpassung der Leistungsparameter gesichert, was allerdings auch mit höherer Eigenbeteiligung Studierender und Beschränkungen des Berechtigtenkreises im Bereich der Schülerförderung einherging.

Stabiler Anker

Die 1990er-Jahre brachten das heutige Leistungsmodell für Studierende „halb Zuschuss – halb Darlehen“, der Geltungsbereich wurde durch die Wiedervereinigung größer. In den letzten 20 Jahren wurden Details verändert, um die Ausbildungsförderung gerechter zu machen. Der Staat hat mit dem BAföG in 50 Jahren über 90 Milliarden Euro bereitgestellt. Seit 1971 steht das BAföG jungen Menschen in Deutschland als verlässliche Leistung zur Verfügung – eine Erfolgsgeschichte für jeden Einzelnen und für die Gesellschaft.




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